Wie wird man (ein besserer) Scrum Master? 10 Dinge, die mir geholfen haben.

Eine Frage, die ich auf Agile Barcamps und Meetups schon häufiger gehört habe, lautet: “Wie wird man eigentlich Scrum Master?” Zum Einen geht es hier oft darum, wie man als unerfahrener Scrum Master, der sich für diese Rolle interessiert, einen Job findet, wenn Scrum im derzeitigen Unternehmen nicht angewendet wird, zum Anderen aber auch – und das ist noch wichtiger – um die Frage, wo man Informationen, Wissen und Praxiseinblicke herbekommt, um diesen Job gut ausfüllen zu können.

An dieser Stelle möchte ich einmal meine Top Ten der Quellen und Tätigkeiten aufschreiben, die mir in den letzten zwei Jahren auf meinem Weg zum Scrum Master geholfen haben und mich natürlich auch jetzt noch begleiten:

  1. Trainings
  2. Coaching
  3. Lesen
  4. Podcasts hören
  5. Austausch mit anderen
  6. Hinterfragen
  7. Experimente und Reflektieren
  8. Visualisieren lernen
  9. Präsentieren
  10. Mapping und Templates

1. Scrum- und Agile-Trainings

Ich möchte an dieser Stelle nicht die Diskussion zur Sinnhaftigkeit von Scrum-Zertifizierungen beginnen, sondern einfach nur erwähnen: Ich habe bislang vier Trainings besucht und aus jedem einzelnen Hilfreiches mitgenommen. Natürlich erhält man auch auf Meetups und Barcamps zahlreiche Informationen und Praxiseinblicke von anderen (dazu mehr unter Punkt 4). Dennoch hat ein Training den Vorteil, dass durch eine erfahrene Trainerin oder einen erfahrenen Trainer (in der Regel mehrere Tage lang) nicht nur eine kompakte Wissensvermittlung gegeben ist, sondern auch jederzeit Fragen gestellt werden können.

Für Scrum Master empfiehlt sich neben einem Scrum-Master-Training auch ein Product-Owner-Training, um diese Rolle besser zu verstehen und gezielter unterstützen zu können.


Wie bei jeder Weiterbildung oder Schulung gilt auch hier, sich den Trainingsanbieter vorab genauer anzuschauen. Gute Erfahrungen habe ich mit it-agile, improuv und Incrementor gemacht.

Nach oben

2. Coaching

Ohne jeden Zweifel ist ein Coaching ein dickes Plus, um die Scrum-Master-Rolle zu lernen, neue Dinge auszuprobieren und sich schnell zu verbessern. Ich hatte das Glück, einen Scrum-Master-Coach an die Seite gestellt zu bekommen, der mir nicht nur Aspekte beigebracht hat, die in den meisten Trainings und auch Büchern nur oberflächlich behandelt werden (z. B. Kennzahlen, ihre Messung und Aussagekraft), sondern mir unter anderem auch dabei geholfen hat, selbst auf Lösungsideen zu kommen. Ein solches mehrdimensionales Training on-the-job ist durch den individuellen Zuschnitt sehr effektiv.

Natürlich hat nicht jeder diese Möglichkeit, einen persönlichen Coach zu haben. Vielleicht gibt es im Unternehmen aber andere Scrum Master oder Agile Coaches, die hier weiterhelfen können. Zudem kann und sollte Feedback aus dem Team eingeholt werden. Indirekt erhält man es auch durch die Team-Entwicklung.

Nach oben

3. Lesen: Büchertipps für (neue) Scrum Master

Eine Sache, die ich an der Rolle des Scrum Masters persönlich besonders schätze, ist das kontinuierliche Lernen – und zwar in alle Richtungen. Gelesen habe ich rund um Scrum und Agilität schon einiges, auch, weil ich meine Masterarbeit einer Fragestellung zu Scrum im Produktmarketing gewidmet habe.

Für die Praxis als Scrum Master möchte ich aus den bislang gelesenen Büchern besonders hervorheben:

  • Der Ultimative Scrum Guide 2.0 
    (Guter Überblick für den Anfang, wenn das Thema Scrum noch völlig neu ist.)
  • User Story Mapping – Jeff Patton
    (Nicht nur für den Einstieg, sondern auch zum Nachschlagen.)
  • Actionable Agile Metrics for Predictability – Daniel S. Vacanti
    (Was ist ein CFD? Was bedeutet die Lead Time? Was kann ich woraus schließen und was nicht? …)
  • How to Measure Anything: Finding the Value of “Intangibles” in Business – Douglas W. Hubbard
    (Keine leichte Kost, hilfreich zur Definition von Messpunkten für Dinge, die auf den ersten Blick nicht messbar sind.)
  • Agile Retrospectives: making good teams great – Esther Derby und Diana Larsen
    (Der Klassiker!)
  • Retrospektiven in agilen Projekten – Judith Andresen
    (Meiner Meinung nach noch praxisbezogener als der Klassiker, mehr Beispiele bzw. Formate für eine konkrete Umsetzung.)
  • Scrum Mastery: From good to great Servant Leadership – Geoff Watts
    (Erinnert mich an Shu Ha Ri bzw. den Entwicklungspfad der Scrum Master Rolle: Hilft mit plakativen Beispielen dabei, zu erkennen, wie sich verschiedene Verhaltensweisen auswirken können.)
  • Product Mastery: From good to great Product Ownership – Geoff Watts
    (Der gleiche Ansatz für die Rolle des Product Owners.)
  • Agile Teams lösungsfokussiert coachen – Veronika Kotrba und Ralph Miarka
    (Sehr hilfreich zum Einstieg in dieses Thema, wenn noch keine Coaching-Erfahrung vorhanden ist.)
  • Agilität neu denken: Warum agile Teams nichts mit Business Agilität zu tun haben – Klaus Leopold
    (Dieses Buch passt, wenn sich mehr und mehr agile Teams im Unternehmen bilden und man sich fragt, wie man das Ganze verknüpfen kann.)
  • Crashkurs professionell moderieren – Anja von Kanitz
    (Gutes Einsteigerwerk für Moderationsneulinge.)

4. Podcasts hören

Eine weitere Quelle, aus der ich viel nebenbei mitnehme, sind Podcasts. Zum Thema Scrum und agiles Arbeiten höre ich hier vor allem:

Nach oben

5. Austausch mit anderen Scrum Mastern und Agile Coaches: Barcamps und Meetups

Eine Sache, auf die mich mein Scrum-Master-Coach schnell hingewiesen hat: Barcamps sind ein idealer Ort zum Lernen! Schon nach drei Monaten in meiner neuen Rolle habe ich das Agile Barcamp in Leipzig besucht und bin diesem Format sowie Open Spaces, Meetups und Co. treu geblieben. Mittlerweile organisiere ich in Ingolstadt auch selbst Meetups mit:

Warum diese offenen Formate so toll sind? Ein Auszug:

  • Wissensvermittlung trifft auf Netzwerken und persönlichen Erfahrungsaustausch.
  • Man kann selbst mitgestalten und helfen, dass die Veranstaltung (für sich und andere) zum Erfolg wird.
  • Man trifft immer mal wieder bekannte und natürlich noch mehr neue Gesichter. (Das ist auch gerade dann toll, wenn Scrum am Arbeitsplatz noch nicht sehr verbreitet ist und vor Ort entsprechend weniger Möglichkeiten für einen Erfahrungsaustausch geboten werden.)
  • Ein breites Themenspektrum hilft, über den Tellerrand zu blicken und sorgt für Inspiration.

Nach oben

6. Hinterfragen

Zu hinterfragen, was man liest und hört, hilft beim Thema Scrum und Agile nicht nur dabei, Unsinn herauszufiltern, sondern auch zum Kern vorzudringen und den Hintergrund zu verstehen. Scrum ist ja bekanntlich “easy to learn”, aber “hard to master”. Das heißt: Wer nicht versteht, wozu welches Scrum Element dient und was man warum wie macht, verfängt sich leichter in Pseudo-Scrum oder tappt spätestens beim Abwandeln von Vorgehensweisen in die ScrumBut-Falle.

7. Experimentieren und Reflektieren

Nicht nur für den Product Owner ist es hilfreich, mit kleinen Experimenten zu testen, was ankommt und was nicht. Auch für den Scrum Master verschafft das Ausprobieren Erkenntnisse darüber, was dem Team hilft und wie es besser zusammenarbeiten kann. Oftmals bleibt ja auch nichts anderes übrig, schließlich ist der Scrum Guide an vielen Stellen bewusst ungenau und jedes Team völlig anders. Bis sich z. B. ein Daily für alle im Team so anfühlt, dass es weder zäh noch zu ausufernd abläuft und tatsächlich einen Mehrwert bietet, müssen manchmal verschiedene Abläufe ausprobiert werden.

Ohne zu adaptieren, nützt das Ausprobieren bekanntlich wenig. “Inspect & Adapt” gilt damit nicht nur für den Scrum Prozess, sondern auch für den Scrum Master. Die Retrospektive im Team ist dazu oft nicht ausreichend: Einerseits nimmt nicht jeder Scrum Master an der Retro selbst teil, andererseits befindet sie oder er sich, falls doch, häufig in der Moderationsrolle. Daher kann es sehr hilfreich sein, für sich immer mal wieder Notizen zu machen und zu beobachten, was das Team aufgreift, was wie gut funktioniert oder eben nicht geklappt hat und wie sich das Ganze überhaupt entwickelt. Eine Vorlage hierzu bietet z. B. das Scrum Master Journal.

Nach oben

8. Visualisieren lernen

Ob im Meeting ad-hoc auf dem Whiteboard mitskizzieren oder eine Agenda auf dem Flipchart festhalten – als Scrum Master kann es tatsächlich nicht schaden, wenn das Visualisieren leicht(er) von der Hand geht. Hierzu gehört allen voran eine leserliche Schrift, aber auch ein Gespür für Layout. Ich habe das Glück, eine unter anderem in diesem Bereich äußerst talentierte Kollegin zu haben, die mir hier einiges beigebracht hat, und auch von meinem Coach konnte ich eine Menge lernen.

Außerdem helfen mir Bildbibliotheken (z. B. Bikablo, eigene Skizzen oder zur Inspiration einfach eine Suche nach Flat Icons zum jeweiligen Wort), Sketchnotes und Graphic Recordings, die ich mir gerne via LinkedIn, Twitter oder Instagram anschaue. Und natürlich das Üben, Üben und Üben – wie auch mit der Titelgrafik 🙂

9. Präsentieren

Ob man etwas wirklich verstanden hat, merkt man bekanntlich spätestens dann, wenn man es jemand anderem zu erklären versucht. Daher bietet sich auch das Präsentieren von Inhalten, z. B. als eigene Session auf einem Barcamp, bei einem Open Space, Lean Coffee oder im Unternehmen an, um das eigene Wissen zu vertiefen bzw. zu schärfen. Gerade am Beginn des Weges als Scrum Master kann das schwierig, aber auch besonders lohnenswert sein. Die offene Agile Community und Formate wie Unkonferenzen machen es außerdem auch Anfängern leicht, etwas anzubieten. Hier darf man sich trauen!

Nach oben

10. Mapping und Templates

Zu guter Letzt seien hier noch die unzähligen nützlichen Templates erwähnt: es gibt kaum eine Sache, für die es kein Canvas im Internet gibt! Viele davon findet ihr hier: Canvas Collection von Andi Roberts

In Bezug auf Scrum sind vor allem

  • Empathy Maps
  • Stakeholder Maps
  • das Business Model Canvas
  • Product Vision Boards und
  • Team Canvas

zu empfehlen. Sucht einfach mal nach den Begriffen, falls sie euch noch nichts sagen, oder schaut euch den Link oben an. Die Maps an dieser Stelle näher zu erläutern, würde den Rahmen des Artikels sprengen 😉

Nach oben